Schweigen ist Gold: Die Stille entdecken

Schweigen ist Gold: Die Stille entdecken

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Ich entdeckte 2015 die Stille. Absolute Stille. Vier Tage.

Ich nahm mit 50 anderen Interessierten an einem Meditations-Workshop im Norden des Staates New York teil. Den Kurs leitete der kanadische Zen-Lehrer Michael Stone, dessen “Sangha” (Gemeinschaft, in Sanskrit) ich kennengelernt hatte, als ich in Toronto lebte. Das erste, was der Lehrer sagte, als wir uns zu einer kurzen Einführung trafen, war: “Willkommen im klösterlichen Leben!” Ich hatte keine Ahnung, wie sich dieser Satz im Laufe der Zeit bewahrheiten würde, und wie sehr ich diesen einfachen Lebensstil und die Stille zu schätzen lernen würde.

Hier sind einige Punkte, die ich gelernt habe und Einsichten, die ich während des Kurses hatte:

Der Verzicht auf elektronische „Freunde“ ist gut

Wir wurden gebeten, unsere elektronischen Geräte während des Kurses auszuschalten (oder abzugeben, wenn man sich selbst nicht vertraute). Ob Sie es glauben oder nicht, ich genoss es, keine E-Mails und Texte zu lesen oder Nachrichten auf meinem Smartphone abzuhören. Es half natürlich, dass der Kurs zum Jahreswechsel stattfand, als die meisten Leute und Kunden sowieso im Urlaub waren. Meine Herausforderung an mich und an Sie: Können Sie einmal wöchentlich/monatlich auf ihr Smartphone verzichten? Was wären die Folgen für Sie? Wie würden Sie sich dabei fühlen?

Schweigen ist nicht so schwer; Sitzen ist härter.

Ich war überrascht, dass ich es nicht vermisst habe zu sprechen. Oder zu lesen. Oder zu schreiben (wir wurden gebeten, auf jede Ablenkung zu verzichten). Es war erfrischend, nicht sprechen zu müssen und einfach nur zu sein. Allerdings ist es nicht so einfach mehrmals am Tag 30 Minuten lang sitzend zu meditieren. Ihr Körper scheint ständig Schmerzen zu spüren – zumindest am Anfang, bis Sie sich an die Meditationshaltung gewöhnt haben und die Muskeln im Rücken stärker geworden sind.

Sei einfach du selbst – du brauchst niemanden beeindrucken.

Da wir wussten, dass wir die anderen Kursteilnehmer wohl nie wieder sehen würden, schien es die meisten nicht zu kümmern, was die anderen von ihnen dachten. Was für eine Erleichterung! Man musste nicht die (eingebildeten) Erwartungen anderer erfüllen. Es gab keinen Klatsch – niemand redete über andere – und ich konnte ich selbst sein. Meine Frage war: Warum kann ich dies nicht auch zu Hause tun? Eigentlich kann ich das… Ich muss mich nur entscheiden, es zu tun!

Es ist möglich ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln, auch in der Stille.

Ich war überrascht über das starke Gemeinschaftsgefühl, das sich in unserer bunten Gruppe von 50 Personen in vier Tagen Stille entwickelt hat. Wir wussten nichts über uns oder unsere Berufe – von den meisten nicht einmal die Namen. Doch ähnliche Absichten, zusammen essen und meditieren und nach einem einfachen Tagesablauf leben schuf ein tiefes Gefühl der Zugehörigkeit während unserer gemeinsamen Zeit, ohne zu sprechen.

Sich verneigen ist gut.

“Der eigentlich Sinn des Kurses ist es, das Sich Verneigen zu lernen”, sagte der Leiter am ersten Tag mit einem Schmunzeln. Wir verneigten uns viele Male am Tag – im Speisesaal während der drei täglichen Mahlzeiten, im Meditationsraum, und wenn man anderen Menschen auf dem Flur begegnete. Zuerst kam ich mir wie eine „Schwindlerin“ vor beim ständigen Verneigen. Aber nach einiger Zeit begann ich die Praxis, jemanden oder etwas zu ehren indem man sich verneigt, zu schätzen – so sehr, dass ich das Verneigen jetzt sogar vermisse!

Gastautorin Rita Wuebbeler

Rita Wuebbeler ist Gründerin und Inhaberin von INTERGLOBE Cross-Cultural Business Services, Inc. einer interkulturellen Beratungsfirma in Atlanta, Georgia, USA. Ihre Hauptarbeitsbereiche sind interkulturelle Kompetenzentwicklung, globale Teamentwicklung, Führungskräfte-Coaching und Personal Leadership Seminare. Rita ist in Deutschland geboren und aufgewachsen und hat im Alter von 27 den Sprung über den großen Teich gemacht, wo sie mittlerweile seit fast 30 Jahren lebt.

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