Empathie: Mitfühlen und sich dabei gut fühlen

Empathie: Mitfühlen und sich dabei gut fühlen

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Ihr Einfühlungsvermögen wird empathischen Menschen heutzutage manchmal als Schwäche ausgelegt. In Umgebungen, in denen Durchsetzungsfähigkeit und zielorientiertes Handeln erwartet werden, fühlen empathische Menschen sich sehr oft ausgegrenzt und missverstanden. Empathen leiden teilweise enorm unter ihrem natürlichen Gespür für andere. Dabei gibt es dafür eigentlich keinen Grund: ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen ist eine echte Stärke und zählt zu den Schlüsselqualifikationen der modernen Gesellschaft. Die folgenden Tipps helfen dir dabei deine Empathie als Stärke zu verstehen.

Unsere Tipps

1 Empathisch zu sein ist auch eine Entscheidung

Eine gesteigerte Empathie ist eine angeborene Eigenschaft, die im Laufe des Lebens durch Erziehung beeinflusst wird. Empathischen Menschen fällt es bereits in der Kindheit leicht, sich in die Gefühle ihrer Spielgefährtinnen und -gefährten hineinzuversetzen. Und wer als Kind empathisch ist, zeigt diese Einfühlsamkeit auch in späteren Lebensphasen. Weil sich mitfühlendes Verhalten vor allem in sozialen Situationen manifestiert und Menschen ihr Handeln bewusst steuern, ist empathisch zu sein immer auch eine Entscheidung.

Es gibt viele Menschen, die ihre Empathie durch gezielte Trainings erhöhen wollen, weil sie ihre sozialen Kompetenzen verbessern möchten oder Empathie als relevante Fähigkeit für eine gute Mitarbeiterführung sehen. Zeigen soll dir das vor allem, dass du dich glücklich schätzen kannst eine ausgeprägte Empathiefähigkeit zu haben.

2 Einfühlen darf nicht ausgrenzen

Bei all den einfühlenden Gedanken, mit denen empathische Menschen sich beschäftigen, darf man nicht übersehen, dass Mitgefühl in einigen Situationen bewusst empfunden wird, um sich selbst besser zu fühlen. Du darfst nicht verkennen, dass Empathie vor allem dir selbst hilft. Deine Mitmenschen profitieren von deiner Einfühlsamkeit meist in emotionalen Notsituationen. Einfühlsamkeit sollte niemanden ausgrenzen – und das geschieht schneller als du denkst.

Menschen mit einer Behinderung oder Erkrankung werden allein aufgrund ihres gesundheitlichen Status mit Mitleid überhäuft, auch von Menschen, die sich eine hohe Empathie zuschreiben.  Lediglich Mitleid zu haben, ohne sich eingehend mit den Wünschen oder Bedürfnis des Gegenüber zu beschäftigen, dient eher einem Selbstzweck. Achte stets darauf deiner Einfühlsamkeit einen gewissen Grad an Sinnhaftigkeit zu verleihen, um niemanden auszugrenzen. Nur dann ist Empathie auch wirklich eine Stärke.

3 Empathie ist eine Schlüsselqualifikation

In der Berufswelt werden Eigenschaften wie Zielstrebigkeit, Effizienz oder Durchhaltevermögen gern als Stärken hervorgehoben. Empathie gilt in geregelten Arbeitsabläufen dagegen oftmals als Charakterschwäche, die einem produktiven Arbeitsalltag entgegensteht. Völlig zu Unrecht, wenn man sich die Anforderungsprofile von Führungspersönlichkeiten genauer anschaut. Sich in seine Mitarbeiter einfühlen zu können gilt heutzutage als wesentliche Schlüsselqualifikation, die angehende Führungspersonen sogar bewusst ausbilden sollen, sofern Empathie nicht bereits vorhanden ist.

Du hast anderen Gegenüber den entscheidenden Vorteil, dass dein Einfühlungsvermögen ein völlig natürlicher Vorgang ist. Du benötigst weder intensive Trainings, noch musst du dich und dein Verhalten in sozialen Situationen ständig selbst reflektieren. Koste dieses Gefühl von Zeit zu Zeit einfach aus.

4 Fairness durch Empathie

Dein Wissen hilft dir dabei andere besser zu verstehen. Das ist nicht ausschließlich in emotionalen Momenten nützlich, sondern auch in eher analytisch geprägten Situationen. Bei Verhandlungen, in Verkaufssituationen, sogar bei Machtkämpfen kannst du dir deine empathischen Fähigkeiten zunutze machen. Dir fällt es bekanntlich nicht nur leicht, die Gefühle deiner Mitmenschen zu verstehen, sondern auch deren Bedürfnisse, Wünsche oder Abneigungen. Deine Empathie ermöglicht dir mit einem tiefen Verständnis für andere Menschen auf sie zu reagieren – und ihr Verhalten und Handeln so in gewissem Maße kontrollieren.

Dir stehen in sozialen Situationen zusätzliche Eindrücke zur Verfügung, die du abwägen kannst, bevor du ein vorschnelles Urteil fällst. Empathische Menschen sind daher fair und gehen oft  vorurteilsfrei mit anderen um. Weil du dein Urteilsvermögen durch dein Wissen auch negativ beeinflussen kannst, solltest du dir eine wohlwollende Grundhaltung bewahren.

5 Licht und Schatten: Verstehe weshalb Empathie falsch verstanden wird

Emotionale Erfahrungen haben meist ein Problem: sie sind höchst individuell, spontan und für Außenstehende schwer greifbar. Die Reaktionen von empathischen Menschen werden aus Unverständnis für eine gefühlsgeprägte Situation deswegen schnell missverstanden – mitunter eben als Charakterschwäche ausgelegt. Menschen, die stolz von sich sagen, sie seien nicht empathisch, brüsten sich mit einer Eigenschaft, die für den alltäglichen sozialen Umgang wenig förderlich ist. Wer sich auf planbares und analytisches Handeln beschränkt wird empathischen Menschen wenig Verständnis entgegenbringen. Gleichzeitig fällt es dir als einfühlendem Menschen aber sicher leicht, dich in dein Gegenüber hineinzudenken.

Wenn du dir Gedanken darüber machst, weshalb man dich falsch verstehen kann, wird es dir deutlich leichter fallen, dich vor möglichen Angriffen anderer abzuschirmen. Mache dir stets bewusst, dass dein Gegenüber anders ist als du selbst. Weil du einen respektvollen Umgang erwartest, solltest du ebenfalls respektvoll sein – auch im Umgang mit den Vorwürfen deiner Mitmenschen. Denke daran: wenig-empathische Menschen erkennen ihr verletzendes Verhalten oftmals nicht. Lasse dir nicht jede Kränkung gefallen, aber versuche realistisch mit dem konfrontativen Verhalten deines Gegenüber umzugehen.

6 Empathie und Moral

Empathische Menschen empfinden ihren Umgang mit anderen als intensiver und nachhaltiger – bezogen auf positive, aber auch negative Situationen. Vor diesem Hintergrund gewinnen Bewältigungsstrategien enorm an Wert. Deutlich wird das vor allem in Situationen, in denen du dich den Emotionen kaum entziehen kannst. Wenn Mitgefühl dich übermannt besteht die Gefahr, dass das empfundene Leid sich alles andere als angenehm anfühlt. Es sind diese intensiven Negativsituationen, in denen selbst empathische Menschen mitunter moralisch fragwürdige Entscheidungen treffen – sich also beispielsweise von einer Hilfeleistung distanzieren.

Diese bewusste Abkehr von Einfühlsamkeit anderen gegenüber ist im Grunde ein Ausdruck für deine Selbstempathie, also für deinen Umgang mit deiner eigenen Gefühlswelt unter Berücksichtigung deiner Kompensationsfähigkeiten. Was sich für dich befremdlich anfühlen mag, dient dir somit als Schutzfunktion für deine geistige und seelische Gesundheit. Empathie abzuwehren bedeutet für dich nicht, weniger mitfühlend zu sein oder grundsätzlich einen Fehler zu begehen. Mache dir stets bewusst, dass auch du nicht zum Mitfühlen verpflichtet bist. Jeder Mensch hat individuelle Grenzen des Erträglichen: auch du bist dabei keine Ausnahme.

7 Lerne mit emotionaler Intensität umzugehen

Empathie fühlt sich für dich insbesondere dann wie eine Schwäche an, wenn emotionale Situationen dich anstrengen oder gar überfordern. Das tiefe Verständnis für die Empfindungen deiner Mitmenschen kann mitunter derart intensiv sein, dass du dich emotional kaum von deinem Gegenüber abgrenzen kannst. Es ist eine Kunst sich in andere Menschen einzufühlen ohne von deren Emotionen übermannt zu werden. Weil das Problem nicht ein Zuviel an Empathie ist, sondern eine eingeschränkte Kompetenz, mit den emotionalen Eindrücken umzugehen, sind Verarbeitungsstrategien für dich enorm wichtig.

Mache dir stets bewusst, dass du dein Gegenüber zwar besser verstehen kannst – manchmal sogar besser als sie oder er selbst – seine Emotionen jedoch zu ihm persönlich gehören. Du kannst anderen Menschen bei der Bewältigung ihrer Probleme helfen, sie motivieren und leicht erreichen, aber du solltest ihre Gefühlslagen nicht zu den deinen machen.

!Wusstest du eigentlich...

Es gibt Menschen, von denen hohe Empathie erwartet wird. Vornehmlich betrifft das Berufsgruppen, die sich intensiv mit dem Leid oder der Not anderer beschäftigen – etwa Ärzte, Sozialarbeiter oder Therapeuten. In derartigen Tätigkeitsfeldern gilt empathisches Handeln und Verhalten nahezu als verpflichtend. Das führt letztendlich dazu, dass Menschen in unterstützenden Berufen einen hohen Druck empfinden, den man als „empathischen Stress“ bezeichnet. Dieses Beispiel soll dir verdeutlichen, dass es wichtig ist, sich von anderen Angrenzen zu können. Zu viel Identifikation kehrt die gut gemeinte Einfühlsamkeit sogar in Zynismus und Gleichgültigkeit um.

Bildnachweis: Yastremska/Bigstock.com

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