Weniger Stress: Weil ich es mir Wert bin

Weniger Stress: Weil ich es mir Wert bin

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Mit dem Stress ist es so eine Sache. Jede Frau hat ihn, aber keine will ihn. Oder doch? Mal ehrlich: Wer von uns hat sich nicht schon einmal damit gerühmt, gerade „voll im Stress“ zu sein? Wer viel um die Ohren hat, ist gefragt und erfolgreich – so lautet das gängige Klischee. Gerade wir Frauen geraten allzu leicht in die „Stressfalle“: Wir genießen das Gefühl, von den Kindern, dem Partner, der Chefin oder dem Kunden gebraucht zu werden. Doch allzu leicht lassen wir uns dabei um den kleinen Finger wickeln. Werden wir  gefragt: „Kannst du mal …?“, sagen die meisten von uns brav „Ja“, auch wenn wir selbst mehr als genug zu tun haben. Anstatt den Partner zu fragen „Kannst du heute Abend den Einkauf erledigen?“ übernehmen wir das auch noch stillschweigend, obwohl wir selbst lange arbeiten müssen und endlich mal wieder zum Sport gehen würden.

Wichtig zu wissen ist: Stress hat immer zwei Seiten. So wie es den negativen „Distress“ gibt es auch den positiven „Eustress“. Dieser stellt sich immer dann ein, wenn wir voller Vorfreude oder in Aufregung sind, beispielsweise kurz vor einem angenehmen Besuch oder dem lang ersehnten Urlaub.  Tatsache ist auch, dass wir Stress bis zu einem gewissen Grad brauchen: Ohne eine bestimmte Spannung im Körper könnten wir weder auf eine Situation angemessen reagieren, noch gäbe es Höchstleistungen. Stelle dir eine Hochspringerin vor, die die Zuschauer vor dem entscheidenden Sprung zum Klatschen auffordert, um die Athletin „anzufeuern“ und mit dieser Unterstützung tatsächlich die auferlegte Höhe schafft. Oder eine Rednerin, die kurz vor ihrer Präsentation nervös ist, aber im entscheidenden Moment vor dem Publikum brilliert. Oder eine Mutter, die trotz Schreien und Weinen ihres Kindes Ruhe bewahrt und sein blutendes Knie mit einem Pflaster versorgt.

Kommen solche Situationen selten vor oder hält eine stressige Phase nur kurz an, können wir das meist gut wegstecken. Erst wenn die Anspannung dauerhaft anhält, kann aus dem Eustress der krank machende Distress werden. Das Tückische ist jedoch, dass wir dies oft gar nicht oder erst spät erkennen. Oft sind es nämlich schlechte Angewohnheiten wie das berühmte Multitasking, also das gleichzeitige Ausführen mehrerer Aufgaben, mit denen wir unser körperliches und seelisches Wohlbefinden strapazieren und beispielweise Nervosität, Erschöpfung und Schlafstörungen oder handfeste körperliche Beschwerden wie Nackenverspannungen, Rückenschmerzen oder Verdauungsprobleme zur Folge haben.

Auch ich musste (und muss) erst lernen, auf meine Bedürfnisse zu achten. Aus eigener Erfahrung kann ich inzwischen sagen: Man kann lernen, sorgsamer mit sich umzugehen und seine Grenzen zu achten. Dabei hilft uns Frauen auch das Alter: Mit 40, 50 oder 60 Jahren müssen wir uns und anderen (meist) nicht mehr beweisen. Wir wissen, was wir können und wollen (oder finden es immer mehr heraus). Wir gehen in der Regel viel selbstbewusster durch Leben als noch mit 20 oder 30 Jahren. Wir sind gelassener im Umgang mit uns und anderen und regen uns nicht mehr so schnell über Kleinigkeiten auf. All dies sind gute Voraussetzungen, um besser mit Stress umzugehen. Denn es kommt nicht allein auf die Stress-Situation, sondern vor allem auf unsere Reaktion darauf an.

Für alle Frauen, die sich um Umgang mit Stress üben und verbessern wollen, hier noch ein paar Tipps:

Prioritäten setzen:

Manchmal kommt es einem so vor, als wenn es alle Welt gerade auf einen abgesehen hat: Das E-Mail-Postfach läuft fast über, der Anrufbeantworter blinkt schon nach kurzer Abwesenheit, die Kunden haben Extrawünsche und im Briefkasten steckt schon wieder eine Paket-Benachrichtigung. Doch müssen wir uns davon wirklich überrollen lassen? Nein, müssen wir nicht. Wir haben es sehr wohl in der Hand, wer oder was unseren Alltag bestimmt. Sage daher bewusst „Stopp“, wenn dir alles zu viel zu werden droht. Dann setze Prioritäten und arbeite die Aufgaben der Dringlichkeit nach ab. Vieles ist gar nicht so wichtig, wie es auf den ersten Blick scheint.

„Nein“ sagen lernen:

Gerade uns Frauen fällt es schwer, öfter mal „Nein“ zu sagen. Schließlich sitzt das anerzogene „Liebe Mädchen“-Muster selbst bei uns modernen Frauen oft noch tief. Doch wie soll der andere wissen, dass wir gerade überfordert sind, wenn wir ständig „Ja“ sagen? Daher: Sage charmant, aber selbstbewusst „Nein“, wenn du es meinst. Keine Angst: Die meisten Menschen akzeptieren dies. Mache dir klar, dass du mit jedem widerstrebenden „Ja“ gleichzeitig „Nein“ zu dir selbst sagst. Nur Mut, Übung macht die Meisterin.

Fokussieren:

Will heißen: sich in Stress-Situationen auf das Wichtigste konzentrieren. Das kann zugegebenermaßen schwierig sein, wenn einem gerade der Kopf schwirrt. Was dann hilft: Eine kurze Pause einlegen und raus aus der Situation gehen (evtl. einen kurzen Spaziergang machen oder – falls das nicht möglich ist – kurz vom Schreibtisch aufstehen). Diese Meta-Position hilft, eine bessere Übersicht zu bekommen. Frage dich: Ist das gerade wichtig? Will ich das? Schaffe ich das? Bringt mich das weiter? Kann ich das abgeben?

Sich wertschätzen:

Das ist etwas, was ich für ganz besonders wichtig halte. Stell‘ dir eine einzigartige Frau mit vielen tollen Eigenschaften und voller innerer und äußerer Schönheit vor. Und das bist du! Mache dir bewusst, dass du wertvoll bist. Achte gut auf dich, und gönne dir ausreichend Ruhe und Entspannung – egal, ob du Sport treibst, dir eine Massage gönnst oder einfach nur mal wieder ein gutes Buch liest. Das Schöne: Die investierte Zeit für dich kommt auch anderen zugute. Du bist ausgeglichener und zufriedener. Und das strahlst du auch auf andere aus.

Gastautorin Stella Cornelius-Koch

„Alles wird gut – und mit dem Alter immer besser“ – das ist das Lebensmotto von Stella Cornelius-Koch. Die 49-jährige Medizin-Journalistin, Autorin und Referentin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Frauengesundheit und Stressbewältigung.  Auf ihrem Stress-abbauen-Blog beschreibt sie regelmäßig, wie man entspannt besser leben kann.

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