Weniger denken, mehr fühlen

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Kleine Kinder sind ganz nah an ihren Emotionen und leben sie auch aus, unbeeindruckt von Argumenten oder Gesellschaftsnormen. Ein zerrissenes Blatt Papier oder ein verweigertes Gummibärchen kann einen heftigen Wutanfall oder große Traurigkeit auslösen, ein Käfer auf einer Blume kann sie in tiefste Verzückung versetzen.

Wenn wir älter werden, verlieren wir einen Großteil dieser Emotionen und ersetzen sie mit Vernunft. Natürlich ist das ein notwendiger Prozess beim Erwachsenwerden, aber die meisten Menschen schießen deutlich übers Ziel hinaus und hören nur noch auf ihren Verstand, ohne ihre Gefühle überhaupt wahrzunehmen. Das ist in unserer Gesellschaft zwar ziemlich anerkannt, macht aber leider auch ziemlich unglücklich. Die gute Nachricht: Wieder mehr zu fühlen, das kann man lernen.

Unsere Tipps

1 Suche keine Gründe für Emotionen

Emotionen und Gedanken sind viel stärker verknüpft, als wir im Alltag wahrnehmen: Ein negativer Gedanke sorgt dafür, dass wir uns traurig, wütend oder unzureichend fühlen. Umgekehrt startet eine Emotion sofort die Gedanken mit der Frage: „WARUM bin ich wütend, traurig, glücklich?“ Der Kopf legt sich dann schnell Erklärungen zurecht: Der Chef, das Wetter, die Kinder, der Partner, die Geldsorgen sind „schuld“ an den Gefühlen. Das schafft drei Probleme: Zum einen greifen die Erklärungen des Gehirns oft viel zu kurz oder liegen gleich völlig daneben. Zum Zweiten bringt uns dieses Nachforschen sofort wieder von unseren Gefühlen weg. Und zum Dritten liegt der Fokus darauf, wo die Gefühle (vermeintlich) herkamen, statt nach einem Weg zu suchen, sie zu verbessern oder einfach zu genießen. Wenn du deinen Gefühlen wieder näherkommen möchtest, solltest du solche Interpretationen deshalb möglichst vermeiden. Wenn du glücklich bist, nimm es einfach wahr und freue dich darüber. Es ist doch völlig egal, warum genau du glücklich bist. Wenn du traurig oder wütend bist, nimm auch das einfach wahr, ohne nach einem Grund dafür zu suchen. Manchmal gibt es den nämlich gar nicht, auch wenn unser Verstand etwas anderes behauptet. Beobachte deine Gefühle und nimm sie zunächst einmal einfach hin, ohne Gründe dafür suchen zu müssen.

2 Schaffe einen sicheren Rahmen für deine Gefühle

Gefühle zu zeigen macht angreifbar und verletzlich. Deshalb ist es oft auch Selbstschutz, wenn wir uns mehr auf unseren Verstand als auf unsere Gefühle verlassen. Es ist völlig in Ordnung (und bis zu einem gewissen Grad auch notwendig), auf der Arbeit oder in unbekannter Umgebung die Gefühle im Zaum zu halten. Allerdings brauchst du im Gegenzug auch Lebensbereiche, in denen deine Gefühle Platz finden. Im Kontakt mit vertrauten Personen sollte es dir möglich sein, deine Emotionen zu zeigen und auszuleben. Wenn es diesen Rahmen nicht gibt, solltest du versuchen, ihn zu schaffen: Intensiviere deine Beziehungen oder finde neue Kontakte, bei denen auch für Emotionen Raum ist. Gibt es solche Menschen in deinem Umfeld nicht, kannst du auch für dich alleine einen guten Rahmen für deine Gefühle schaffen: Erlaube dir ganz gezielt, sie zu Hause wahrzunehmen und zuzulassen.

3 Die Welt kann Spiegel deiner Gefühle sein

Wer sehr lange auf seinen Verstand gehört hat, nimmt die eigenen Gefühle oft gar nicht mehr wahr. Ein Schlüssel dazu kann die Beobachtung deines Umfeldes sein. Wenn du den Eindruck hast, heute seien irgendwie alle um dich herum aggressiv, könnte es sein, dass du selbst wütend bist, ohne es zu merken. Wenn die ganze Welt ein bisschen mehr zu strahlen scheint und dir nur fröhliche Menschen begegnen, bist du wahrscheinlich glücklich. Wie schön! Natürlich ist nicht jede Begegnung ein Spiegel deiner Gefühle, aber mit ein wenig Aufmerksamkeit wirst du bald lernen, solche Tendenzen wahrzunehmen.

4 Erlaube dir, „unvernünftige“ Entscheidungen zu treffen

Unvernünftig zu sein, ist in unserer Gesellschaft ein Schreckgespenst. Man löst Probleme nicht mit Gefühlen, sondern mit dem Verstand. Das reicht aber sehr häufig einfach nicht aus. Die Gedanken sind nur ein Teil der Mittel, die uns für Entscheidungen zur Verfügung stehen, und oft nicht mal der klügste. Um wieder mehr auf deine Emotionen zu hören, musst du umdenken: Erlaube dir, auch mal Entscheidungen zu treffen, die sich nicht mit dem Verstand begründen lassen, aber trotzdem richtig anfühlen. Du musst schließlich nicht alles begründen.

5 Schaffe gefühlsintensive Situationen

Um mit deinen Gefühlen wieder mehr in Kontakt zu kommen, kannst du bewusst Situationen schaffen, die Gefühle in dir hervorrufen. Setze dich an einen Ort, den du liebst, und genieße ganz bewusst die Zufriedenheit, die dich durchströmt. Schau dir todtraurige Filme an und lasse deinen Tränen dabei freien Lauf. Erlaube dir, dich (im geschützten Rahmen) mal so richtig über alles aufzuregen, mit Schreien und Kissenboxen und allem, was dazugehört. Sorge dafür, dass du in Situationen kommst, in denen Gefühle erlaubt sind, und lebe sie dann aus. Du wirst erstaunt sein, welche Gefühlsvielfalt in dir schlummert!

6 Schärfe die Wahrnehmung für dich selbst

Um zu wissen, wie du dich fühlst, musst du dich auch selbst beobachten. Sonst gehen dir die vielen leisen Hinweise auf deine Emotionen verloren und du bemerkst nur noch die extremen Gefühlsspitzen. Meditation kann eine Möglichkeit sein, die Selbstbeobachtung wieder zu lernen. Du kannst aber auch einfach darauf achten, dich nicht ständig abzulenken. Stecke so oft wie möglich das Smartphone weg und schalte den Fernseher und die Musik aus, um dich selbst wieder hören zu können.

Mit diesen Tipps gelingt dir auch als Anfänger ein einfacher und erfolgreicher Einstieg ins Meditieren.

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