So lernst du, um Hilfe zu bitten

So lernst du, um Hilfe zu bitten

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    So lernst du, um Hilfe zu bitten
„Sie werden weitaus häufiger erleben, dass Menschen helfen wollen [als dass sie es ablehnen].“ Alexandra Graßler, Coach
Zwei Psychoanalytiker gehen im Park an einem See spazieren. Eine Frau im See rudert wie wild mit den Armen. Die Therapeuten gehen ungehindert weiter. Die Frau ruft verzweifelt um Hilfe. Keine Reaktion. Endlich ruft sie: „Hilfe, ICH ERTRINKE!“ Meint der eine Analytiker zum anderen: „Wurde aber auch Zeit, dass sie ihr Problem erkennt!“ Dieser Eisbrecher aus Analytiker-Kreisen regt zum Denken an und lehrt uns, dass das konkrete Eingeständnis der eigenen Schwäche die Lösung aller Probleme ist. Um Hilfe bitten, das fällt vielen jedoch schwer. Finde mit den folgenden sieben Tipps den Mut, in Zukunft um Hilfe zu bitten und bewusst den Rückhalt anderer anzunehmen, um nicht mehr in Alltagsaufgaben oder gar in psychischen Belastungen der Vergangenheit zu ertrinken:

Unsere Tipps

1 Problem erkannt, Gefahr gebannt: Verschaffe dir Überblick

Oft kann es schon helfen, die verschiedenen Baustellen, in die du verwickelt bist, zu identifizieren und dingfest zu machen. Nimm dir einen großen Papierbogen und zeichne dir eine Landkarte mit den „Welten“, in denen du tätig bist (Familie, Arbeit, Freunde, Hobbies etc.). Zeichne die einzelnen Rollen, Aufgaben und Erwartungshaltungen ein, die du dort erfüllst.

Danach bewertest du die Bereiche, in denen du glücklich bist, mit Sternchen, und vergibst Kreuzchen, wo du das Gefühl hast, dass dir deine Energie regelrecht ausgesaugt wird. Dort, wo du keine Anerkennung, nicht einmal ein Lob oder Dankeschön erhältst, gilt es in jedem Fall, tiefer zu schürfen und festzustellen, ob es an der Zeit ist, Mithilfe nicht nur anzunehmen, sondern auch bewusst einzufordern.

2 Relativiere die Ansprüche an dich selbst

Wenngleich uns vorangegangene Frauengenerationen den Weg in eine Form von Freiheit geebnet haben, in der wir selbst Herrinnen unseres Lebens sind, müssen wir uns an diesem Punkt eingestehen, dass wir dafür einen Preis bezahlen: Die Anforderungen und Ansprüche an uns sind deutlich gestiegen. Wir sollen in allen Bereichen aktiv und effektiv, ja nahezu perfekt sein. Job, Familie, Haushalt, Ehrenämter, Hobbys, und dabei bitte immer freundlich lächeln …

Wenn du tatsächlich wieder Herrin über dein Leben sein willst, statt einer aufgepfropften Illusion von Perfektion zu erliegen, musst du deine Ansprüche an dich selbst relativieren und wieder ein wenig „laissez-faire“ ins Leben einziehen lassen. Das meiste richtet sich sowieso von selbst. Urvertrauen ist dabei das Schlüsselwort. Und: Perfekt ist sowieso niemand, auch wenn viele große Energie darauf verwenden, so zu wirken.

3 Entdecke deine Kooperationsfähigkeit

Wissenschaftlich ist längst bestätigt, dass der Mensch als Spezies bisher nur deshalb überlebt hat, weil er die Fähigkeit zur Kooperation besitzt. Auch wenn es manchmal nicht so aussieht: Diese Fähigkeit ist auch immer noch vorhanden. Viele Menschen sind bereit, anderen zu helfen, wenn sie darum gebeten werden. Und wenn man es genau betrachtet, nützt du damit nicht nur dir selbst, sondern auch der Gemeinschaft: Kooperation stärkt uns und tut allen Beteiligten gut. Umgekehrt bedeutet das natürlich, dass auch du bereit bist, dich für andere einzusetzen.

Hilf der Menschheit, sich wieder vom „Me“ zum „We“ zu entwickeln. Dabei tust du nicht nur deiner Seele etwas Gutes und stärkst dein Selbst, sondern du lässt dieses Licht auch auf andere Menschen in deiner Umgebung scheinen, womit du gleichzeitig die ganze Welt ein Stückchen besser machst.

4 Akzeptiere dein Mensch-Sein und lass Fehler zu

Jeder Mensch hat besondere Veranlagungen, Fähigkeiten und Stärken, aber auch Entwicklungsfelder und Dinge, die er oder sie überhaupt nicht kann. Mensch-Sein bedeutet im Wesentlichen, die eigene Verletzlichkeit bewusst zu akzeptieren.

Viele ungeweinte Tränen verbergen sich hinter den harten Panzern, die sich Frauen in den letzten Jahrzehnten zugelegt haben, um in dieser Welt bestehen zu können, die einem mehr als je zuvor abverlangt. Die Angst, anderen „eine Last zu sein“, getarnt als „schlechtes Gewissen“, tut dann ihr Übriges und katapultiert eine Frau in die Illusion, das Opfer der Umwelt zu sein.

Dabei ist uns manchmal gar nicht bewusst, wie sehr Menschen es lieben, anderen Menschen zu helfen! Wenn du um Mithilfe gebeten wirst, freust du dich bestimmt auch – vor allem, wenn es ein Mensch ist, der sonst nie um Unterstützung bittet!

„Fehler sind bessere Lehrer als Erfolg“ (Clarissa Pinkola Estés). Dies bedeutet, zu erkennen, dass es nicht nur „normal“ ist, Fehler zu machen, sondern vielmehr auch, dass ein Leben gar nicht möglich ist, ohne hier und da erfolgreich zu scheitern. Und wenn es soweit ist (oder, noch besser, schon vorher), helfen andere dir sicher gerne.

5 Lerne zu delegieren

Delegationsfähigkeit ist eine der wichtigsten Eigenschaften eines erfolgreichen Managers. Daher musst du diese Eigenschaft ebenfalls erwerben, um dein Leben erfolgreich zu „managen“.

Frauen haben oft die Eigenschaft, sich an die erste Stelle zu stellen, wenn es darum geht, Aufgaben zu übernehmen, sich jedoch an die letzte Position zu setzen, wenn es eigentlich nötig wäre, sich selbst die oberste Priorität einzuräumen. Delegieren können, bedeutet Mitarbeit anderer in Anspruch zu nehmen – ohne „schlechtes Gewissen“ oder die Angst, anderen „zur Last zu fallen“!

Schau dir deine Aufgaben mal genauer an: Was davon können genauso gut andere übernehmen?

6 Integriere Familienmitglieder und Freunde

Viele Frauen weinen ihre Tränen der Überforderung höchstens heimlich. Auf gar keinen Fall dürfen bestehende Beziehungen infrage gestellt werden, Freunde und Familie, und schon gar nicht die Kinder, mitbekommen, dass Mama einfach nur fertig mit den Nerven ist und Beistand braucht.

Nun, es ist bestimmt nicht die Aufgabe der Kinder, der Mutter bei emotionalen Problemen zu helfen, das ist richtig. Aber es benötigt Unterstützung von außen, und je nachdem, auch professionellen Beistand. Oft sind es nämlich unbearbeitete Traumata, die den Treibstoff für allerlei Überforderungen liefern. Manches muss nun einmal ans Licht gebracht werden, damit es endlich heilen darf.

Und ja, auch dafür darfst du dir ganz besonders viel Zeit nehmen und andere um Mithilfe bitten! Letztendlich haben alle etwas davon, wenn du wieder strahlst – vor allem die eigene Familie.

7 So formulierst du eine Bitte um Hilfe

Eigentlich ist es selbstverständlich, aber im Alltag gehen sie trotzdem häufig verloren: die kleinen Wörtchen „Bitte“ und „Danke“. Wenn du deine Bitte um Hilfe in höfliche Worte kleidest, sind deine Chancen deutlich besser, dass sie auch erfüllt wird.

„Darf ich Dich bitten, mir beim Abwasch zu helfen? Danke!“
„Darf ich Dich bitten, mir zuzuhören? Ich habe etwas auf dem Herzen. Danke!“
„Darf ich Dich bitten, dass Du in Zukunft die Kinder von der Schule abholst, denn es ist mir zu viel. Danke!“

Die Formulierung und der Tonfall, mit der eine Bitte vorgetragen wird, machen den Unterschied, ob es eine Forderung, gar ein Vorwurf oder ein wahrhaftiges Anliegen ist.

Letzteres schlägt so gut wie niemand aus. Ein schlichtes Danke vorab und im Nachhinein – von Herzen – reicht den meisten Menschen, die sich durch Deine willkommene Integration geehrt und gewürdigt fühlen.

Allerdings: Wenn Partner oder Kinder sich weigern, ihren Teil der Aufgaben im Familienalltag zu übernehmen, kann es auch nötig werden, deutlichere Worte zu finden. Da darf es mit der Höflichkeit dann auch erst mal vorbei sein.

!Wusstest du eigentlich...

Kleinen Kindern fällt es meist gar nicht schwer, andere um Hilfe zu bitten. Sie sind es gewohnt, dass sie nicht alles sofort können und wissen, dass das ganz normal ist. Die Fähigkeit, um Hilfe zu bitten, kommt uns erst beim Erwachsenwerden abhanden.

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