Ein neuer Partner: So stellst du ihn den Kindern vor

Ein neuer Partner: So stellst du ihn den Kindern vor

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„Jede Patchworkfamilie ist ein soziales Experiment.“ Jesper Juul, Familientherapeut
Du hast neues Liebesglück gefunden? Das ist wunderbar! Für deine Kinder – egal ob sie noch minderjährig oder längst erwachsen sind – kann das jedoch schwierig sein. Sie müssen wahrscheinlich mit vielen neuen Emotionen kämpfen, von Ängsten über Ablehnung bis hin zum Mitfreuen, vielleicht auch alles gleichzeitig. Wenn du ihnen deinen neuen Partner vorstellst, solltest du deshalb einiges Fingerspitzengefühl beweisen. Wir geben dir Tipps, wie du diese anspruchsvolle Situation am besten meisterst.

Unsere Tipps

1 Wähle den richtigen Zeitpunkt

Wann stellt man den neuen Partner den Kindern vor? Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Einerseits solltest du dir schon halbwegs sicher sein, dass etwas Ernstes aus der Beziehung werden könnte. Andererseits merken deine Kinder es, wenn du ihnen zu lange etwas vormachst oder verheimlichst. Einen Unterschied macht es natürlich auch, ob deine Kinder noch bei dir wohnen oder schon ausgezogen sind. Leben sie noch bei dir, dann hat deine neue Partnerschaft auch direkten Einfluss auf ihr Leben. Du solltest sie deshalb mit der neuen Situation vertraut machen, bevor sie mit echten Änderungen umgehen müssen. Sind deine Kinder schon erwachsen, musst du nicht so behutsam vorgehen. Trotzdem: Auch für erwachsene Kinder kann es eine große emotionale Herausforderung sein, wenn du einen neuen Partner hast. Unterschätze diesen Faktor nicht, wenn du das Gespräch suchst.

2 Sprich zunächst alleine mit deinen Kindern

Die Kinder kommen nach Hause und am Küchentisch sitzt eine fremde Person. „Das ist jetzt mein neuer Partner!“, sagt die Mutter … Eine solche Situation ist für die Kinder – egal in welchem Alter – keine angenehme Überraschung. Schließlich müssen sie gleichzeitig mit der neuen Information umgehen und höflich mit deinem Partner umgehen und eine völlig neue soziale Situation meistern. Das kann zu viel sein, sodass solche Szenen nicht selten unschön enden. Bereite deine Kinder deshalb unbedingt zunächst alleine vor: „Ich habe einen Mann kennengelernt, den ich euch gerne vorstellen würde. Sagt mir Bescheid, wann euch das passen würde.“ Auf diese Weise haben deine Kinder die Gelegenheit, sich zunächst einmal an den Gedanken zu gewöhnen, dass es einen neuen Mann in deinem Leben gibt. Vielleicht sind sie sofort neugierig, vielleicht brauchen sie aber auch eine gewisse Zeit, bis sie deinen Partner kennenlernen wollen. Beides ist in Ordnung, hab Geduld.

3 Verlange zunächst nicht zu viel gemeinsame Zeit

Auch wenn du es gerne hättest, dass alle deine Lieben um dich sind: Verlange von deinen Kindern nicht, dass sie sofort viel gemeinsame Zeit mit dir und deinem Partner verbringen. Nur weil du ihn wunderbar findest, müssen ihn deine Kinder nicht auf den ersten Blick genauso mögen. Vielleicht finden sie es auch befremdlich, dich in deinem Liebesglück zu beobachten. Die eigene Mutter verbindet man schließlich selten mit Verliebtheit oder womöglich sogar Erotik. Auch hier gilt: Lass deinen Kindern Zeit. Lass sie zunächst selbst entscheiden, wie viel Zeit sie mit dir und deinem Partner verbringen wollen.

4 Dein neuer Partner ist nicht automatisch ein neuer Papa

Vor deinem inneren Auge ist vielleicht schon ein idyllisches neues Familienglück entstanden, in dem dein Partner der neue Papa deiner Kinder wird. Verabschiede dich von diesem Bild! Der neue Mann in deinem Leben ist zunächst nur deine Sache, du kannst keine Innigkeit im Verhältnis zwischen ihm und deinen Kindern verordnen. Für viele Kinder – selbst, wenn sie schon erwachsen sind – ist es schwierig, dass ihr Vater „ersetzt“ werden soll oder plötzlich eine zusätzliche Person „etwas zu sagen“ hat. Wenn deine Kinder nicht mehr bei dir leben, ist es natürlich gar nicht nötig, dass sie deinen Partner als Vaterersatz sehen. Es genügt völlig, ihn als deinen Partner zu akzeptieren. Wenn die Kinder noch in deinem Haushalt wohnen, wird es komplizierter. Die Annäherung sollte dann ganz behutsam und mit viel Geduld geschehen. Besprich mit deinem Partner vor allem, dass er sich zunächst aus der Erziehung deiner Kinder völlig heraushalten soll. Sie sollen ihn ja erst einmal kennenlernen und idealerweise mögen und ihn nicht als neue Autorität wahrnehmen.

5 Nimm Ablehnung nicht persönlich

Je jünger deine Kinder sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie deinem neuen Partner zunächst ablehnend gegenüberstehen. Aber auch bei erwachsenen Kindern ist es möglich, dass sie mit Ablehnung reagieren. Das ist eine normale Reaktion auf die Veränderung und hat erst einmal gar nichts mit dir und deinem Partner zu tun. Stelle dich auf die Ablehnung ein und versuche, sie nicht persönlich zu nehmen, selbst wenn sie etwas massiver ausfallen sollte. Mache dir bewusst: Das ist eine schwierige Situation für deine Kinder.

6 Mache klar: Du hast ein Recht auf ein Liebesleben

Es kommt durchaus vor, dass Kinder versuchen, einen neuen Partner der Mutter möglichst schnell wieder loszuwerden. Bei allem Verständnis für die Schwierigkeiten der Kinder: Sie dürfen dir natürlich nicht „verbieten“, eine Partnerschaft einzugehen. Wenn die Kinder schon größer (oder womöglich sogar erwachsen) sind, dann kannst du das ruhig auch mal in einem Gespräch deutlich machen, wenn es nötig ist. Warte damit aber ab, ob die Probleme sich nicht nach einiger Zeit von selbst lösen.

7 Vermittle: Du bist weiterhin für deine Kinder da

Das Verhältnis zwischen Mutter (oder auch Vater) und Kindern ist immer etwas ganz Besonderes. Wenn in dieses Gefüge plötzlich eine neue Person tritt, kann das auch Ängste verursachen, dieses Verhältnis zu verlieren. Mache deshalb mit Worten und (noch wichtiger!) mit deinem Verhalten klar, dass du weiterhin für deine Kinder da bist. Dazu gehört auch, dass du mit ihnen Zeit ohne deinen neuen Partner verbringst, auch wenn du ihn im Moment wahrscheinlich am liebsten ständig um dich haben möchtest. Je kleiner deine Kinder sind, umso dringender müssen sie wissen: Ihr steht bei mir immer noch an erster Stelle.

!Wusstest du eigentlich...

In Deutschland sind sieben bis 13 Prozent der Familien Patchworkfamilien. Du stehst mit deinem Problem also nicht alleine da.

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